Gründen und Betrieb
Arbeitskleidung für Hausmeister: Schuhe, Warnkleidung, Pflicht
Sicherheitsschuhe S1 bis S3, Warnkleidung Klasse 1 bis 3 und die Frage, wer sie bezahlt — mit den Eckwerten aus den DGUV-Schriften.
Kurz gesagt
Für einen Hausmeister sind zwei Dinge Schutzausrüstung, nicht Kleidung: Sicherheitsschuhe nach DIN EN ISO 20345 (S1 innen, S3 außen und im Winterdienst) und Warnkleidung nach DIN EN ISO 20471, sobald du am Straßenrand oder in der Dämmerung arbeitest. Beschäftigst du jemanden, musst du diese Ausrüstung nach § 3 ArbSchG und § 2 PSA-BV stellen und bezahlen – auch dem Minijobber.
Was Kleidung ist und was Schutzausrüstung
Arbeitshose, Jacke, Shirt mit Firmenlogo: Das ist Kleidung, die deinen Betrieb erkennbar macht und Privatkleidung schont. Niemand schreibt sie vor. Sicherheitsschuhe, Warnkleidung, Handschuhe für Dornen und Glas, Gehörschutz am Laubbläser, Schutzbrille am Trimmer: Das ist persönliche Schutzausrüstung, und für sie gelten Regeln – welche, hängt davon ab, ob du allein arbeitest oder Beschäftigte hast.
Sicherheitsschuhe: S1, S2 oder S3
Die Kennzeichnung steht in DIN EN ISO 20345. Die DGUV Regel 112-191 (Ausgabe Dezember 2025) erklärt sie: Sicherheitsschuhe tragen das Kurzzeichen S und haben Zehenkappen, die mit einer Prüfenergie von 200 Joule geprüft werden. Die Kategorien bauen aufeinander auf:
| Kategorie | Zusätzlich zu den Grundanforderungen | Typischer Einsatz beim Hausmeister |
|---|---|---|
| SB | nur Grundanforderungen inklusive Zehenkappe | selten sinnvoll |
| S1 | geschlossener Fersenbereich, Antistatik, Energieaufnahme im Fersenbereich | Treppenhaus, Keller, Werkstatt, trockene Innenräume |
| S2 | wie S1, zusätzlich Widerstand gegen Wasserdurchtritt und -aufnahme | Nassreinigung, Tiefgarage, Außenanlage bei Regen |
| S3 | wie S2, zusätzlich Durchtrittsicherheit der Sohle und profilierte Laufsohle | Außenanlage, Winterdienst, Baustellenanteile, überall, wo Nägel, Glas oder Schrauben am Boden liegen |
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Eckwerte nach DGUV Regel 112-191, Abschnitt 4.7 und Anhang 3; die Norm selbst zitieren wir ohne Link. Welche Kategorie nötig ist, ergibt die Gefährdungsbeurteilung des jeweiligen Objekts.
Für einen Hausmeister, der innen und außen arbeitet, läuft es meist auf S3 hinaus – wer zwei Paar vorhält, nimmt S1 für Treppenhaus und Keller und S3 für draußen. Die Regel benennt außerdem Verschleißmerkmale, bei denen ein Schuh nicht mehr sicher ist (Ablegereife): gerissene Sohle, sichtbare Zehenkappe, abgelaufenes Profil.
Warnkleidung: wann und welche Klasse
Warnkleidung nach DIN EN ISO 20471 wird nach der Mindestfläche an fluoreszierendem Hintergrundmaterial und retroreflektierenden Streifen in drei Klassen eingeteilt; Klasse 3 bietet die beste Sichtbarkeit. Die DGUV Information 212-016 (Ausgabe November 2025) nennt die Eckwerte:
| Material | Klasse 1 | Klasse 2 | Klasse 3 |
|---|---|---|---|
| Fluoreszierendes Hintergrundmaterial | 0,14 m² | 0,50 m² | 0,80 m² |
| Retroreflektierendes Material | 0,10 m² | 0,13 m² | 0,20 m² |
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Werte nach DGUV Information 212-016, Abschnitt 4.3 (entspricht Tabelle 1 der Norm). Eine Weste erreicht in der Regel Klasse 2; Klasse 3 muss den Torso umschließen und lange Ärmel oder lange Hosenbeine mit Reflexstreifen haben — eine Jacke mit abgetrennten Ärmeln fällt auf Klasse 2 zurück.
Für den Hausmeister ergibt sich daraus eine einfache Regel: Beim Winterdienst vor sechs Uhr morgens, beim Laubblasen am Straßenrand und beim Räumen von Parkplätzen trägst du Warnkleidung – mindestens eine Weste der Klasse 2, bei Arbeit auf oder neben der Fahrbahn die Jacke der Klasse 3. Welche Klasse im Einzelfall nötig ist, legt die DGUV Information über die Gefährdungsbeurteilung fest, nicht über die Berufsbezeichnung.
Wer bezahlt: die Arbeitgeberpflicht
(1) Der Arbeitgeber ist verpflichtet, die erforderlichen Maßnahmen des Arbeitsschutzes unter Berücksichtigung der Umstände zu treffen, die Sicherheit und Gesundheit der Beschäftigten bei der Arbeit beeinflussen. […] (3) Kosten für Maßnahmen nach diesem Gesetz darf der Arbeitgeber nicht den Beschäftigten auferlegen.
Unbeschadet seiner Pflichten nach den §§ 3, 4 und 5 des Arbeitsschutzgesetzes darf der Arbeitgeber nur persönliche Schutzausrüstungen auswählen und den Beschäftigten bereitstellen, die 1. den Anforderungen der Verordnung (EU) 2016/425 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 9. März 2016 über persönliche Schutzausrüstungen und zur Aufhebung der Richtlinie 89/686/EWG des Rates (ABl. L 81 vom 31.3.2016, S. 51) in der jeweils geltenden Fassung entsprechen, 2. Schutz gegenüber der zu verhütenden Gefährdung bieten, ohne selbst eine größere Gefährdung mit sich zu bringen, 3. für die am Arbeitsplatz gegebenen Bedingungen geeignet sind und 4. den ergonomischen Anforderungen und den gesundheitlichen Erfordernissen der Beschäftigten entsprechen.
Die Folge für den Betrieb mit Minijobbern: Sicherheitsschuhe und Warnkleidung stellst und bezahlst du, und zwar passend (§ 2 Absatz 2 PSA-BV: PSA muss individuell passen und ist grundsätzlich für eine Person bestimmt). Ein Minijobber, der in Turnschuhen Schnee räumt, ist nicht sein Problem, sondern deins. Für dich selbst als Unternehmer ohne Beschäftigte gilt das Arbeitsschutzgesetz nicht – die Berufsgenossenschaft erwartet die Ausrüstung trotzdem, sobald du freiwillig versichert bist, und ein Nagel im Fuß fragt nicht nach der Rechtsform.
Steuerlich: typische Berufskleidung
Das Einkommensteuergesetz kennt den Begriff der typischen Berufskleidung (§ 9 Absatz 1 Satz 3 Nummer 6 EStG für Arbeitnehmer); für Selbstständige sind entsprechende Aufwendungen Betriebsausgaben nach § 4 Absatz 4 EStG. Sicherheitsschuhe und Warnkleidung sind typische Berufskleidung, eine neutrale Jeans ist es nicht, auch wenn du sie nur bei der Arbeit trägst. Wo die Linie bei Arbeitshose mit Logo oder bei Reinigungskosten verläuft, klärt dein Steuerberater – das ist Steuerrecht im Einzelfall.
Kaufen
Wir prüfen keine Schuhe und nennen keine Modelle. Achte beim Kauf auf die Kategorie im Etikett (S1, S2, S3) und die Normangabe DIN EN ISO 20345; bei Warnkleidung auf die Klasse und die Normangabe DIN EN ISO 20471 im Etikett.
Dieser Abschnitt gibt den Stand unserer Recherche wieder und ist keine Rechtsberatung. Er ersetzt keine Prüfung des Einzelfalls; verbindliche Auskunft gibt eine Rechtsanwältin oder ein Rechtsanwalt. Genannte Gerichtsentscheidungen sind Einzelfälle.
Stand: 7. Oktober 2026 · Wir aktualisieren diese Seite, wenn sich die Rechtslage oder die Datenlage ändert.
Häufige Fragen
Welche Sicherheitsschuhe braucht ein Hausmeister?
Für Innenräume reicht S1, für Außenanlage und Winterdienst S3 mit durchtrittsicherer, profilierter Sohle. Die Kategorien stehen in DIN EN ISO 20345 und werden in der DGUV Regel 112-191 erklärt.
Muss ich meinem Minijobber Sicherheitsschuhe bezahlen?
Ja. Persönliche Schutzausrüstung stellt der Arbeitgeber (§ 2 PSA-BV), und nach § 3 Absatz 3 ArbSchG darf er die Kosten nicht den Beschäftigten auferlegen – das gilt für Minijobber genauso wie für Vollzeitkräfte.
Wann ist Warnkleidung Pflicht?
Sobald die Gefährdungsbeurteilung sie verlangt – praktisch bei Arbeit an Straßen, auf Parkplätzen und in der Dämmerung, also beim Winterdienst fast immer. Die DGUV Information 212-016 beschreibt, welche Klasse bei welcher Gefährdung nötig ist.
Was ist der Unterschied zwischen Klasse 2 und Klasse 3?
Die sichtbare Fläche: Klasse 3 verlangt 0,80 m² fluoreszierendes Material und 0,20 m² Reflexstreifen und muss den Torso mit langen Ärmeln oder Hosenbeinen umschließen; Klasse 2 kommt mit 0,50 und 0,13 m² aus – das ist die typische Weste.
Kann ich Arbeitskleidung von der Steuer absetzen?
Typische Berufskleidung wie Sicherheitsschuhe und Warnkleidung ja, als Betriebsausgabe nach § 4 Absatz 4 EStG. Alltagskleidung nicht, auch nicht mit Logo im Einzelfall – die Abgrenzung ist Sache deines Steuerberaters.
Quellen
Diese Seite stützt sich auf die folgenden Quellen. Alle Angaben wurden zum Zeitpunkt der Veröffentlichung gegen den dort dokumentierten Stand geprüft.
- DGUV Regel 112-191 „Benutzung von Fuß- und Knieschutz“, Ausgabe Dezember 2025, Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung e. V.
https://publikationen.dguv.de/regelwerk/dguv-regeln/961/benutzung-von-fuss-und-knieschutz - DIN EN ISO 20345:2022, Persönliche Schutzausrüstung — Sicherheitsschuhe (Norm, zitiert ohne Link)
- DGUV Information 212-016 „Warnkleidung“, Ausgabe November 2025, Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung e. V.
https://publikationen.dguv.de/regelwerk/dguv-informationen/841/warnkleidung - DIN EN ISO 20471, Hochsichtbare Warnkleidung — Prüfverfahren und Anforderungen (Norm, zitiert ohne Link)
- Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG), § 3 — Grundpflichten des Arbeitgebers
https://www.gesetze-im-internet.de/arbschg/__3.html - PSA-Benutzungsverordnung (PSA-BV), § 2 — Bereitstellung und Benutzung
https://www.gesetze-im-internet.de/psa-bv/__2.html - Einkommensteuergesetz (EStG), § 9 Absatz 1 Satz 3 Nummer 6 — Arbeitsmittel und typische Berufskleidung
https://www.gesetze-im-internet.de/estg/__9.html - Einkommensteuergesetz (EStG), § 4 Absatz 4 — Betriebsausgaben
https://www.gesetze-im-internet.de/estg/__4.html
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